Lernen

Lernen und Coaching haben ganz viel gemeinsam. Im Coaching geht es nämlich darum, neue Verhaltensweisen zu lernen.

Unser Gehirn ist nicht dazu ausgelegt, viele Handlungen gleichzeitig ganz bewusst auszuführen. Wer einmal gelernt hat, Auto zu fahren kennt das. Am Anfang ist man mit Gas geben, kuppeln, bremsen, steuern, schalten so beschäftigt, da überfordern einen zusätzliche Fussgänger oder Velofahrer komplett. Ganz zu schweigen von einem Gespräch, das sie mit dem Mitfahrer führen.

Später ist das alles kein Problem mehr. Das Gehirn hat gelernt, diese Handlungen wie von selber ohne grosse Aufmerksamkeit und auch ohne grosse Energie zu erledigen. Das Gehirn neigt dazu, bei gleicher oder bei ähnlichen Wahrnehmungen die verknüpften Gefühle, Vorstellungen, Gedanken und Handlungen zu aktivieren.

Handlungen, die wir oft wiederholen, hinterlassen eine Spur in unserem Gehirn. Ähnlich wie ein Weg der oft begangen wird.

Die hebbsche Lernregel fasst dies folgendermassen zusammen: „what fires together, wires together“.  Das bedeutet: Je häufiger ein Neuron A gleichzeitig mit Neuron B aktiv ist, umso bevorzugter werden die beiden Neuronen aufeinander reagieren.

Dies ist eine überlebenswichtige Funktion des Gehirns. Stellen Sie sich vor, wir würden das ganze Leben lang so gefordert wie in der ersten Fahrstunde. Da hätten unsere Vorfahren den Säbelzahntiger sicher erst zu spät gesehen.

Es hat aber auch Nachteile. Wenn wir beispielsweise gelernt haben, dass das Widersprechen bei einem Chef unangenehme Folgen hat, schweigen wir mit grosser Wahrscheinlichkeit auch bei einem neuen Chef.

Das Gehirn verhält sich ähnlich wie der im Schnee angelegte Trampelpfad. Er ist zwar bequem, aber wenn sich das Ziel verändert ist er plötzlich ein Umweg. Wir müssen einen neuen Pfad anlegen. Dies ist aber mühsam. Wir fühlen uns vielleicht hilflos, schwach, ungeübt oder inkompetent und wir fallen oft auch wieder in den alten Trampelpfad zurück.  Durch diese Phase muss man aber durch, wenn ein neuer Weg entstehen soll.

Lernen durch Vorstellung

Nicht nur das Ausführen einer Handlung erstellt im Gehirn einen Trampelpfad, auch das genaue Vorstellen einer Situation ist hilfreich. Dies nennt sich mentales Training. Im Sport gehört dies mittlerweile fest dazu.

Die Erkenntnis, dass Lernen auch durch blosse Vorstellungen, durch denken und sprechen angeregt werden kann, wird in der Beratung auf verschiedene Weise genutzt. Über gewünschte Zielsituationen oder einen Lösungsweg nachzudenken und sich mit den Gefühlen welche dabei erlebt werden auseinander zu setzen, kann dabei helfen.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Um ein neues Verhalten dauerhaft zu festigen, müssen noch zwei Faktoren hinzukommen: Die Erfahrung muss uns emotional berühren und sie braucht Wiederholung. Was uns berührt oder begeistert, vergessen wir nicht so schnell. Was wir mehrfach denken, erleben oder ausführen, graviert sich tiefer ein.

Können wir auch Persönlichkeitsaspekte durch lernen verändern?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Es stellt sich auch die Frage wie sinnvoll es ist, seine Persönlichkeit zu ändern. Wir sind wer wir sind, und das ist auch gut so! Was wir mit Sicherheit können, ist lernen unser intuitives Verhalten zu stoppen und uns in einer Situation angemessener zu verhalten.

Beim Lernen hängt viel davon ab, wie viel Energie der Coachee bereit ist zu investieren. Oft gilt das Motto:

“You can get it if you really want!”

 

Mehr zum Thema Lerncoaching und mein “Brain under Construction” Fragebogen finden sie hier: https://lerntool.ch/buc/