Lerncoaching

Beim Lerncoaching werden die Möglichkeiten des Coachings für den Bereich des Lernens
angewendet.

„Gearbeitet wird auf der kognitiven und emotionalen Ebene mit dem Ziel, beim
Ratsuchenden die eigene (Lern-)Kompetenz wieder zu aktivieren, bei ihm die eigene
Problemlöse- und Handlungskompetenz zu stärken, seine Selbstregulierungs- und
Selbstgestaltungsfähigkeit zu fördern und seine eigenen Ressourcen zu erkennen und zu
nutzen.“ (Pallasch & Hameyer, Lerncoaching, 2012, S. 17)
Mit diesem, zugegebenermassen etwas monströsen Satz, wird sehr schön ausgedrückt, um
was es beim Lerncoaching genau geht. Nehmen wir ihn noch etwas auseinander. Beim
Lerncoaching wird auf der kognitiven und emotionalen Ebene gearbeitet.
Das heisst, der Lernende wird zum Nachdenken aufgefordert, sein eigenes Lernverhalten zu
analysieren und zu hinterfragen. Zudem soll er sich auch seinen Emotionen und Gefühlen dem
Lernen gegenüber bewusst werden. Nicht selten sind nämlich negative (frustrierende)
Erlebnisse ein Grund für eine demotivierte Haltung beim Lernen. Dies wiederum behindert das
Lernen grundlegend. Durch das Nachdenken über den eigenen Lernprozess soll der Lernende
aufgefordert werden, das positive in seinem Lernverhalten zu erkennen und zu fördern. Das
Lernen soll nicht mehr etwas Abstraktes sein, sondern etwas Vertrautes. Der Lernende soll in
zukünftigen Situationen wissen, wie er lernt, welche Methoden für ihn gewinnbringend sind
und welche nicht.

Jeder Lernende ist unterschiedlich. Es gibt nicht die eine Wunderlernmethode, welche für alle
passt. Nur durch individuelles ausprobieren und genaues analysieren können die richtigen
Methoden herausgefunden werden. Dazu gehört auch ein positiver Umgang mit Fehlern und
sich durch diese nicht zu demotivieren, sondern die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Das oberste Ziel vom Lerncoaching ist, die Freude am Lernen wieder zu finden. Diese ist uns
Menschen nämlich in die Wiege gelegt worden. Wer es nicht glaubt, beobachte ein kleines
Kind, mit welcher Hingabe und Freude es auf Entdeckungstouren geht. (Und dabei oft die
Eltern zum Verzweifeln bringt). Der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer sagt dazu:
„Wenn man irgendeine Aktivität nennen sollte, für die der Mensch optimiert ist, so wie der
Albatros zum Fliegen oder der Gepard zum Rennen, dann ist es beim Menschen das Lernen“
(Spitzer, 2002, S. 10). Leider ist uns die Freude und Leidenschaft zum Lernen oftmals
abhandengekommen. Gründe dafür sieht Spitzer in seinem Buch „Lernen“ darin, dass wir
unsere Erfahrungen in der Schule mit dem Lernen gleich setzen. Lernen heisst: „Büffeln und
pauken, mit Schweiss und Frust, schlechte Noten und anstrengenden Prüfungen. [..] Lernen
hat ein negatives Image, es wird als unangenehm angesehen.“ (Spitzer, 2002, S. 10). Das Ziel
von Lerncoaching muss es sein, dieses Image wieder in das richtige Licht zu stellen und die
Freude am Lernen wieder zu entdecken. Oft ist dies aber ein Wunschziel, das sehr hoch
gesteckt ist.
Beim Lerncoaching ist es jedoch bereits ein grosser Erfolg, wenn die negativen Lernerlebnisse
beseitigt oder vermindert werden können und sich an dieser Stelle positive Erlebnisse
einstellen. Dies schafft Selbstvertrauen und stärkt das Selbstbewusstsein. Wenn der Lernende
an sich selber glaubt, ist bereits viel erreicht.
Die Aufgabe des Lerncoachs in diesem Prozess ist: Lerntechnisch das Beste, das in einer Person
steckt, herauszuholen.

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